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APOTHEKENDIENST: PARACELSUS APOTHEKE

Wer war Paracelsus ?

„ALLE DINGE SIND GIFT UND NICHTS IST OHNE GIFT; ALLEIN DIE DOSIS MACHT, DASS EIN DING KEIN GIFT IST.“

Die im 15. Jahrhundert beginnende Neubelebung der Antike machte sich auch auf dem Gebiet der Heilkunde bemerkbar. Oftmals falsch überliefertes Wissen aus Texten von Aristoteles, Theophrast, Dioskurides und Galen wurde korrigiert und darüber hinaus durch selbständige Erforschung der heimischen Naturprodukte erweitert. Im Jahr 1493 wurde Phillipus Theophrastus Aureolus Bombast von Hoheinheim, allgemein bekannt als „Paracelsus“, in Einsiedeln (Schweiz) geboren, der sich zeit seines Lebens mit Krankheiten und deren richtiger Behandlung auseinandersetzte.

In dieser Epoche sahen Ärzte und Apotheker es als Hauptaufgabe an, Gesundheit und Krankheit zu studieren und neue Heilmittel zu suchen. Diese Bestrebungen gipfelten im Werk des Paracelsus, der durch Vereinigung von Chemie und Medizin die neue Wissenschaft der Chemiatrie (griech. Iatros = Arzt) begründete und die chemischen Arzneistoffe als gleichwertig neben die pflanzlichen einreihte. Vieles aus den therapeutischen Vorstellungen des Paracelsus und seiner Nachfolger, der Paracelsisten, behielt bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Gültigkeit. Sie können als die Begründer der pharmazeutischen Chemie gelten.

In der Natur finden sich kaum fertige Heilmittel, diese sind vielmehr durch chemische Prozesse aus den Naturstoffen als »Quintessenzen« herauszuholen, die als „Arcana“ (Arcanuin = geheimnisvoller Stoff) die Krankheiten bekämpfen. Zu diesem Zweck stellte Paracelsus auf dem chemischen Weg alkoholische Auszüge aus den Drogenrohstoffen her und führte sie als Tinkturen, Essenzen und Extrakte in den Arzneischatz ein. Er forderte, möglichst reine Grundstoffe mit gleichbleibender Zusammensetzung und richtiger Dosierung zu verwenden.

Sein berühmter Lehrsatz gilt auch heute noch:

„Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“


Ein weiteres in die Zukunft weisendes Element war seine Anschauung, dass es für jede Krankheit entsprechend ihren spezifischen Symptomen ein einziges individuell angepasstes Heilmittel geben müsse, womit er sich gegen die damals vorherrschende Polypharmazie der Araber mit ihren bis zu 60 Drogen enthaltenden Rezepten wendete. Diese Neuorientierung trug dazu bei, zunächst die Krankheiten genauer auf ihre Symptome zu untersuchen und in der Folge zwischen nützlichen und schädlichen Medikamenten zu unterscheiden. Die Vorstellungen von Paracelsus, die zweifellos mit zeitbedingten Irrlehren und magisch-astronomischen Einflüssen belastet waren, gewannen im 16. und 17. Jahrhundert große Bedeutung. Zahlreiche chemische Arzneistoffe wurden in Arzneibücher aufgenommen und fanden somit Eingang in die Laboratorien der Apotheken.

Paracelsus, Sohn eines Arztes, wurde in Wien und Ferrara selbst zum Arzt ausgebildet. Ein Wanderleben führte ihn durch ganz Mitteleuropa und zu bekannten Alchemisten wie Sigmund Füger von Schwaz. Paracelsus war der Begründer einer neuen Heilkunde. In der Medizin setzte er an die Stelle der überlieferten mittelalterlichen Säftelehre eine chemische Biologie und Pathologie, die zukunftsweisend war. Paracelsus erkannte dadurch bis dahin übersehene pathologische Zusammenhänge, beschrieb neue Krankheitsbilder, schrieb die erste Abhandlung über die Gewebekrankheiten und förderte die Konstitutionslehre (Vererbung körperlicher und seelischer Eigenschaften). Ihm zu verdanken sind neue Erkenntnisse zur Behandlung der Syphilis, der Wundinfektion, der Neurosen und Psychosen und in weitem Umfang die moderne Pharmakotherapie.

Hervorzuheben ist Paracelsus Bemühen, seine medizinischen Vorlesungen in deutscher Sprache zu halten, um sie der Allgemeinheit zugänglich und verständlich zu machen. Aus diesem Grund und wegen der während seines Lebens vorgebrachten Kritik an der Ärzte- und Apothekerschaft wurde Paracelsus bis zu einem Tod im Jahr 1541 in Salzburg oft bedroht.

ANEKDOTEN ÜBER PARACELSUS

 Wenig Glück hatte Paracelsus mit der Zahlungsmoral seiner Patienten. Vom Markgrafen Philipp von Baden, den er erfolgreich von der Ruhr kuriert hatte, wurde er um die ihm versprochene hohe Vergütung geprellt. Von einem begüterten Kranken wurde er gebeten, von Regensburg nach Amberg zu kommen, doch machte der Patient bereits bei der Bezahlung des Rittes Schwierigkeiten. Paracelsus wollte deswegen die Behandlung ablehnen, ließ sich aber dann doch dazu überreden und kam nach Amberg, gegen die Versprechung von Kost und Logis. Dort angekommen, stahl ihm der Bruder des Patienten sämtliche Arzneimittel, die er mit sich führte. In einer Rede, die er später hielt, spielte Paracelsus auf sein Amberger Erlebnis an und riet seinen Standeskollegen, niemals Verpflegung und Herberge von ihren Patienten anzunehmen.

Im schweizerischen Lichtenfels wurde Paracelsus von einem Kanonikus um das für eine – erfolgreiche – Gichtkur vereinbarte Honorar geprellt. Paracelsus klagte dagegen beim Baseler Rat, erhielt aber nur eine minimale Entschädigung zugesprochen. Zwar gelang es Paracelsus dann doch wieder, zu einigem Wohlstand zu kommen – auf welchem Wege ist allerdings unklar, da er häufig Patienten behandelte, die nicht in der Lage waren, ihn für seine Bemühungen zu bezahlen.

Der Kaiser war krank, und man berief den berühmten großen Arzt Theophrastus Bombastus Paracelsus, damit er sich der Gesundheit der Majestät annehme. Als der Arzt sich nun bei Hofe meldete, nahmen die Hofdiener es ihm übel, dass er in seinen täglichen Kleidern gekommen war, weil diese ihnen zu erbärmlich schienen. Deshalb wollten die Hofdiener Paracelsus nicht vor den Kaiser lassen. Sie zogen ihm seine Gewänder aus und steckten ihn in einen kostbaren neuen Talar. So ausstaffiert wurde er vor den Kaiser geführt. Der Kaiser redete lange nichts, Paracelsus auch nicht. Endlich wurde es der Kaiser leid und er sagte, er wüsste nicht, warum man ihm diesen Arzt geschickt habe, der den Mund nicht auftue und sich nicht rühre. Er spreche nicht mit ihm und schaue auch nicht nach seinen Leiden. Da begann plötzlich auch Paracelsus zu sprechen: „Ich habe gemeint, der Rock müsse es tun.“


Paracelsus wurde von einem Kranken gerufen. Er fand das ganze Zimmer voll anteilnehmender Besucher und er fragte, nachdem er sich den Kranken angesehen hatte, ob er schon etwas zu sich genommen habe. „Nur den Leib des Herrn”, war die Antwort. „Da habt ihr schon einen besseren Arzt gehabt, ich bin überflüssig”, sagte daraufhin Paracelsus und wandte sich zum Gehen.

Schließlich soll Paracelsus sich bei einem kostenlosen Krankenbesuch bei einem Sturz von der Treppe das Genick gebrochen haben, in Folge seines Alkoholkonsums an Leberkrebs gestorben oder gar von jemandem einen Felsen hinabgestoßen worden sein. Über Paracelsus frühen Tod wurde viel spekuliert. Moderne gerichtsmedizinische Untersuchungen haben inzwischen in seinen Gebeinen eine bis zu hundertfach erhöhte Konzentration an unlöslichem Quecksilber gefunden. Paracelsus erlag wahrscheinlich einer Quecksilbervergiftung und wurde am Sebastiansfriedhof in Salzburg beigesetzt.